Jahresrückblick 2025

Jahresrückblick 2025
Datum:
Autor*in:
Sophia (Sozialarbeiterin)

Wir blicken zurück auf eine abwechslungs- und abenteuerreiche Zeit. Unser Jahr bei Housing First glich einer Berg- und Talwanderung: geprägt von vielen Höhen und Tiefen, Erfolgen, Herausforderungen und einer wunderbaren Aussicht.

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Teamzuwachs und personelle Entwicklung

Ein besonderer Meilenstein war die personelle Weiterentwicklung unseres Teams. Wir hatten das große Glück, gleich zwei neue Kolleg*innen begrüßen zu dürfen – eine Elternzeitvertretung sowie nach langer Zeit endlich die Nachfolge für Stefan Laurer, der Ende 2024 in den wohlverdienten Ruhestand ging. Zusätzlich konnten wir vier neue Ehrenamtler*innen für unsere Arbeit gewinnen. Sie unterstützten uns tatkräftig bei Umzügen, Renovierungen, Gruppenangeboten und vielen weiteren Aktivitäten.

Neue Aufnahmestrategie: Von der Warteliste zur individuellen Beratung

Im vergangenen Jahr konnten wir unsere geschlossene Warteliste vollständig abarbeiten. Daraufhin haben wir uns entschlossen, dass wir unseren Aufnahmeprozess umgestalten: Statt einer festen Warteliste nehmen wir nun – abhängig von unseren Kapazitäten – individuell auf Anfrage neue Menschen auf. Dieses Vorgehen ermöglicht es uns, flexibler und passgenauer auf die Bedürfnisse der einzelnen Personen zu reagieren und Unterstützung zeitnah zu leisten. Im vergangen Jahr konnten wir so 13 neue Klient*innen aufnehmen, davon 3 Frauen und der überwiegenden Mehrheit bereits eine eigene Wohnung vermitteln.

Fachlicher Austausch und politische Vernetzung

Wir haben viele Erfolge gefeiert, es flossen Tränen der Freude wie auch der Erschöpfung, wir begleiteten Rückschläge und entwickelten uns fachlich kontinuierlich weiter. Wir nahmen an Konferenzen teil, zeigten weiterhin Präsenz gegenüber Politik, Bezirken und Senat, vernetzten uns intensiv und waren selbst Gastgeber für Austauschprojekte.

European Housing First Partners Conference in Berlin

Ein besonderes Highlight war die European Housing First Partners Conference in Berlin, die im November im Kosmos Berlin stattfand. Diese wurde veranstaltet in Kooperation vom Pathways Housing First Institute und dem Bundesverband Housing First e.V., mit der Unterstützung des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  Die Konferenz war für uns nicht nur fachlich äußerst spannend, sondern auch persönlich bereichernd, da wir uns aktiv an ihrer Organisation beteiligen konnten. Sie ermöglichte uns wertvolle Einblicke in die europaweite Housing-First-Arbeit. Beim anschließenden Besuch unserer Räumlichkeiten konnten wir vertiefende Gespräche führen und den fachlichen Austausch weiter intensivieren.

Erasmus-Projekt: Lernen von europäischen Partner*innen

Viele nachhaltige Eindrücke sammelten wir zudem im Rahmen des Erasmus-Projekts „Adapting Housing First Europe“. Gemeinsam mit unseren europäischen Kolleginnen trafen wir uns in Cork und Dublin und konnten zahlreiche Impulse für unsere Arbeit in Berlin mitnehmen. Die unterschiedlichen Hilfelandschaften und Rahmenbedingungen der vier beteiligten Länder eröffneten neue Perspektiven und erweiterten unseren Horizont. Wir freuen uns sehr auf die weitere Zusammenarbeit mit unseren Partner*innen aus Spanien, Irland und Finnland.

Gruppenangebote und gemeinsame Aktivitäten

Wir haben das vergangene Jahr außerdem genutzt, um unsere Gruppenangebote fortzusetzten und konnten unseren Teilnehmer*innen viele spannende Ausflüge und abwechslungsreiche Aktivitäten anbieten. Unsere Erholungs- und Entspannungsgruppe konnten wir kontinuierlich anbieten und damit etablieren. Gemeinsam wurde gekocht, gebacken und ausprobiert – von Pizza und Plätzchen bis hin zu Bolognese und anderen leckeren Gerichten. Dabei erlebten wir immer wieder die beeindruckenden Kochkünste unserer Klientinnen. Die Ausflüge führten uns unter anderem in die Domäne Dahlem, in die Gärten der Welt und ins Futurium. Immer wieder sind wir begeistert von den kreativen und spannenden Ideen, die unsere Klient*innen selbst einbringen. Feste wie das Osterfrühstück und unsere Weihnachtsfeier waren besondere Höhepunkte: ganz traditionell mit Gänsekeule, Klößen und Rotkohl, liebevoller Dekoration, Keksen und Orangen. Die hohe Anzahl der Gäste und Gästinnen und viele leuchtende – teils auch feuchte – Augen machten diese Momente besonders bewegend. Für das kommende Jahr ist nun geplant, die Spielegruppe regelmäßig zu etablieren. Dank des Engagements unserer Ehrenamtlichen können zudem neue Gruppenangebote entstehen. Federführend durch unseren Peer-Mitarbeiter Markus soll im Frühjahr eine kleine Fahrradwerkstatt für unsere Klient*innen entstehen.

Herausforderungen und Abschiede

Das Jahr 2025 war jedoch auch von traurigen Ereignissen geprägt. Im Dezember mussten wir unerwartet Abschied von einem Klienten nehmen. Diese Nachricht hat unser Team sehr betroffen gemacht und verdeutlicht einmal mehr die emotionale Verantwortung und die besonderen Herausforderungen unserer Arbeit.

Finanzierung und Zukunftsperspektive

Housing First bleibt vorerst ein zuwendungsfinanziertes Projekt. Jedes Jahr stehen wir erneut vor der Unsicherheit der Finanzierung. Auch wenn sich Housing First in der Praxis als wirksame Grundlage für nachhaltige Wohnstabilität bewährt, können wir unser Angebot nur schrittweise und abhängig von unseren Kapazitäten ausbauen und neue Klient*innen aufnehmen.

 Zum Abschluss blicken wir dennoch mit Zuversicht nach vorn. Die vielen Begegnungen, Erfolge und gemeinsamen Schritte bestärken uns in unserer Arbeit. Gemeinsam setzen wir uns auch im kommenden Jahr dafür ein, Perspektiven zu eröffnen und Menschen ein dauerhaftes Zuhause zu ermöglichen.

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